Frühjahrsexkursion 2018

Am 24. Und 25. März findet die alljährliche Frühjahrs-Festungsexkursion statt; sie wird uns diesmal nach Belfort führen. Wir werden die Ouvrage de la Côte d’Essert, das Fort du Salbert und das Fort de Bessoncourt besuchen:



(Fort de Bessoncourt)

Besonderes Highlight der Exkursion wird Fort Roppe sein. Dieses Fort wurde zwischen 1890 und 1915 stark modernisiert und durch externe Festungselemente (Batterien, Unterstände, Retranchements etc.), die unterirdisch an das Fort angebunden wurden, erweitert. Das Fort gehört immer noch dem französischen Militär, und es ist uns gelungen, eine offizielle Genehmigung für eine Begehung zu bekommen.

Berichte über die Exkursion demnächst hier.

8.3.18 20:06, kommentieren

Die Etschklause (Chiusa Veneta)

Einleitung: Die Gruppo di Rivoli

1849 – 1852 wurden an der Etsch durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn, zu dem das Königreich Lombardo-Venetien bis 1866 gehörte, 4 Festungen erbaut: Die Straßensperre Etschklause (in 115m Höhe am Etschufer) und die Werke Hlawaty (in 236m Höhe auf einem Bergrücken über der Etsch), Mollinary (auf dem Monte Pastello in 410m Höhe) und Wohlgemuth (auf dem Monte Castello in 227m Höhe).
Die Ausführung oblag dem kaiserlichen Befestigungsamt in Verona unter der Leitung von Geniemajor von Swiatkiewich.

Bei der Planung berücksichtigte man sowohl die topographische Situation und die Morphologie des Geländes als auch die Erfahrungen früherer Kämpfe:
Alle 4 Festungen wurden auf felsigem Gelände erbaut, bestehend aus oolitischem Dogger- und Liaskalk (Hlawaty und Wohlgemuth) bzw. aus rotem Knollenkalk („Veroneser Marmor“) aus dem Malm (Mollinary).
Die Anlagen wurden recht nah beieinander errichtet, um das Zwischenfeld artilleristisch komplett abdecken zu können. Entfernungen:
Wohlgemuth – Hlawaty: 860m Luftlinie
Hlawaty – Mollinary: 940m Luftlinie
Mollinary – Etschklause: 500m Luftlinie

Das Werk Wohlgemuth, von der Etschklause aus gesehen:


Und umgekehrt – die Etschklause (roter Pfeil) vom Werk Wohlgemuth aus gesehen:


Die 4 Festungen kontrollierten die Straße Verona – Trient samt Nebenstrecken (vor allem in Süd-West-Richtung) und außerdem die Furten von Ceraino und Canale.

Als das Veneto 1866 an Italien fiel, erhielt die Sperrgruppe aus den genannten 4 Werken den Namen „Gruppo di Rivoli“ und wurde 1884 um die Straßensperre von Canale (Tagliata d’Incanal) und 1888 um ein fünftes Fort (Forte San Marco) erweitert.

Die Etschklause (Chiusa Veneta)

Die Position der Straßensperre Etschklause am Etsch-Engpass war für die Kontrolle der Verbindung zwischen Verona und Trient prädestiniert, da die Felswand auf der Ostseite gerade genug Platz für eine Straße und später noch für eine Bahntrasse bot, während auf der Westseite ein Ausläufer des Monte Pipalo so steil unmittelbar über dem Fluß aufragt, dass dort keine Passage möglich war.

Vor dem Bau der Straßensperre gab es an gleicher Stelle bereits eine venezianische Zollstation, die den Güterverkehr zu Lande und zu Wasser überwachte:


Nach dem Ausbau der Brennerstraße 1772 wurde diese Stelle mehrfach heftig umkämpft, was letztlich dazu führte, dass auch hier im Zuge des Ausbaus des österreich-ungarischen Festungsvierecks Peschiera – Mantua – Verona – Legnano eine moderne Festung errichtet wurde.

Der neue Bau, der direkt an der östlichen Felswand begann, bestand ursprünglich aus einer zweigeschossigen Defensionskaserne mit einer mit Toren und Zugbrücken versehenen Durchfahrt für den Landverkehr sowie einer halbzylindrischen Caponniere, die den Fluss kontrollierte. Ab 1857 wurde auch eine Bahntrasse durch das Werk gelegt; Züge konnten mit Hilfe einer Zugbrücke, über die Schienen verliefen, gestoppt werden.

Hier ein Plan der Anlage:


Das Werk war für insgesamt 12 Geschütze ausgelegt, 4 in der unteren und 8 in der oberen Etage.
Vor der Werksfront verlief jeweils ein ca. 4 Meter breiter und bis zu 2,5 Meter tiefer Graben. Die Flankierung des Werks und die Nahverteidigung des Grabens erfolgte durch Kasemattenwerke in der Felswand mit Gewehrschießscharten; in der Felswand befand sich außerdem das Munitionsdepot (Raum a im Erdgeschoss des folgenden Plans).

Grundrisse aus dem obigen Plan im Detail:


Generell war die Etschklause als Nahverteidigungswerk in relativ hoher Bauweise ausgelegt, da infolge des Terrains nicht mit Artillerieangriffen zu rechnen war.
Die Wasserversorgung erfolgte über einen Brunnen im Erdgeschoss der Caponniere, der aus der Etsch gespeist wurde.

Nach 1866 blieb die Straßensperre aufgrund ihrer strategischen Lage in Betrieb, war aber nur noch mit 2 Geschützen bewaffnet.

Ursprüngliche Ansicht der Straßensperre aus nordwestlicher Richtung:


Als in jüngerer Vergangenheit die SS12 verbreitert werden musste, um den modernen Verkehrsanforderungen zu genügen, riss man einen großen Teil der Straßensperre ab. Die heute vorhandenen Reste der Defensionskaserne sind in Privatbesitz und können nicht besichtigt werden; über dem Fundament der Kaponniere wurde ein Wohnhaus errichtet. Die früher durch das Werk verlaufende Bahntrasse wurde verlegt.

Die heute verschwundenen Teile der Straßensperre im Plan dargestellt; ungefähr die Hälfte der Anlage wurde abgerissen:


Aktuelle Fotos von einem Besuch im Spätsommer 2017:

Ansicht von Norden


Ansicht von Süden. Die Kasematten in der Felswand sind durch die dichte Vegetation mehr zu erahnen als zu sehen.


Nähere Ansicht von Süden; durch die Aussparung oben rechts führte die Bahntrasse.


Der Graben; gut erkennbar die Schießscharten zur Nahverteidigung.


Die Straßenansicht. Der Gewölbeansatz der ehemaligen Straßendurchfahrt ist gut zu erkennen.

9.1.18 19:47, kommentieren

Nachtrag zum Beitrag „Die Scheinwerferstellung der Batterie Mardi Gras / Verdun“ vom 11.12 15

Unlängst konnte ich ein Luftbild erwerben, das unter anderem die Scheinwerferstellung bei der Batterie Mardi Gras (Verdun) zeigt:



Legende:
1 = Ouvrage de la Laufée
2 = Batterie Mardi Gras
3 = Scheinwerferstellung (GPS 49°10'58.0"N / 5°28'41.3"E)

Das Generatorengebäude (hier ein Bild) konnte ich auch auf dem Luftbild nicht identifizieren. Das Gebilde nordwestlich der Scheinwerferstation nahe an der Bahnlinie ist ein Unterstand, das unmittelbar südlich ein Retranchement (betonierte Grabenstellung).

26.12.17 19:22, kommentieren

Fortsetzung: Das Leben ist Sch***e, kauf Dir einen Helm!

Vor fast 3 Jahren hatte ich auf den ProTec A-Bravo Helm hingewiesen. Ich habe ihn damals mangels deutscher Quelle aus den USA bestellt und bin wirklich sehr zufrieden damit.
Mittlerweile bekommt man ProTec Helme auch in Deutschland, teilweise sogar bei Amazon, muss aber mit rund 180 Euro einen nicht unerheblichen Betrag auf den Tisch legen.
Da kommt das aktuelle Angebot von ProTec USA ganz recht, wenngleich auch leider nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten:
Man kann auf pro-distribution.com für US$ 35 (in Worten: fünfunddreißig Dollar) ein Modell namens "Beta Helmet" bestellen. Bedingung: Man wird damit zum "Beta-Tester" und wird gebeten, anschließend einen Review zu verfassen. Als Belohnung für den Review gibt es einen 20%-Rabatt-Coupon, der für das ganze Jahr 2018 gilt.
Wo der Unterschied zwischen dem Beta- und dem A-Bravo-Modell liegt, ist mir ehrlich gesagt noch nicht ganz klar. Hätte ich den A-Bravo noch nicht, würde ich mir den Beta aber mit Sicherheit bestellen.
Wer also aktuell einen neuen Helm braucht: Zugreifen! Man sollte sich allerdings beeilen, denn den Helm gibts nur, solange der Vorrat reicht.

23.12.17 16:32, kommentieren

L’énigme du fort de Tavannes / Das Rätsel von Fort de Tavannes

Heute vor genau 61 Jahren ereignete sich ein Unglück im Fort de Tavannes, dessen genauer Hergang lange Zeit relativ unklar war: Das Verschwinden eines amerikanischen Soldaten in den 50er Jahren, den man nach tagelanger Suche schließlich tot in einem Schacht fand.
Auf einer Seite im Internet, die heute leider nicht mehr existiert, gab es dazu den Erlebnisbericht eines Soldaten, der an der Suchaktion beteiligt war; die Geschichte ist als „Dick’s Story“ bekannt geworden.

Dick erzählte, wie er auf der Suche nach dem verschwundenen Soldaten in einen Schacht heruntergelassen wurde; ein Foto zeigte ihn vor einer Scharte zur nördlichen Caponnière, die heutzutage deren einzigen Zugang darstellt.
Gefunden hat er den Soldaten dort nicht und war auch nicht mehr weiter in die Suche involviert; erst später erfuhr er von der Bergung des Soldaten und dem, was ihm angeblich zugestoßen war:
Der Soldat sei in einen Lüftungsschacht gefallen, habe den Sturz überlebt, sei in der Dunkelheit noch 30 bis 60 Meter orientierungslos weitergekrochen und schließlich in eine tiefe Zisterne auf einer Seite des Tunnels gestürzt.

Ein Schacht mit einem Tunnel und einer Zisterne? Diese Angabe hat mich irritiert, seit ich den Bericht Ende der 1990er Jahren zum ersten Mal gelesen habe. Im Fort de Tavannes gibt es zwei tiefe Schächte, einen in der Zentralcaponnière und einen in der nördlichen Schultercaponnière. Beide dienten dazu, bestimmte Funktionselemente an das Stollensystem unter dem Fort anzubinden, aber eine Zisterne im Stollensystem schien mir ziemlich unplausibel.

Anfang dieses Jahres stieß ich durch Zufall auf etliche Zeitungsartikel, die 1956 über den Vorfall berichteten, zunächst in zwei Ausgaben der französischen Tageszeitung „Le Parisien libéré“ (aus einem der Artikel stammt der Titel dieses Blogbeitrags), dann auch im europäischen Stars And Stripes Magazin sowie einigen regionalen Tageszeitungen aus den USA, Kanada und den Niederlanden.

Dort stellte sich zusammengefasst die Sache etwas detaillierter dar als in „Dick’s Story“:
Am 21. April 1956 besuchte der 22-jährige Specialist 2nd class Gerald H. Dunnigan, Com Z Advance Section Verdun, mit seiner Frau Barbara das Fort de Tavannes. Er besichtigte zunächst einen (Zitat) „Maschinengewehrturm“ (Anm.: wohl eine der Pamart-Kasematten), stieg dann, während seine Frau vor dem Fort wartete, in den Fortgraben hinab, betrat eine Caponnière, brach dort durch die morsche Bretterabdeckung eines Schachts und stürzte 24 Meter in die Tiefe. Der Sturz brach ihm den Schädel; der Tod muss sofort eingetreten sein. Einige Zeitungen berichteten darüber hinaus, am Grund des Schachts sei er abgeprallt und weitere 4 – 5 Meter gefallen, offensichtlich in einen weiteren Schacht.
Dunnigan habe das Fort in „Freizeithose und Sporthemd“ erkundet, heißt es; seine einzige Lichtquelle sei ein Feuerzeug gewesen. (Diese „Ausrüstung“ steht übrigens in einem gewissen Widerspruch zu einer anderen Aussage, wonach Festungserkundungen als sein Hobby bezeichnet werden.)

Das Militär suchte mit großem Aufwand nach ihm (angeblich waren 400 Mann an der Suche beteiligt), fand ihn aber erst am Morgen des 26. April.
Das folgende Foto war in mehreren Zeitungen abgebildet; es zeigt angeblich, wie sein Leichnam auf einer Bahre aus dem Fort getragen wird. Es gibt allerdings auf dem Weg zwischen Nordcaponniere und Ausgang keine Stelle, die der abgebildeten gleicht; möglicherweise handelt es sich um ein gestelltes Foto :



In einer Zisterne ertrunken ist Gerald Dunnigan also nicht, aber in einen zweiten Schacht gestürzt. Ein Schacht im Schacht? Die folgende Hypothese könnte das erklären:

Unglücksort war mit einiger Sicherheit die nördliche Schultercaponniere. Der dortige Schacht wurde im Rahmen der „Travaux de 17“ zunächst als Arbeitsschacht angelegt, um die nördliche Pamart-Kasematte an das Stollensystem unterhalb der betonierten Kaserne anzuschließen; der Durchbruch in beide Richtungen fand allerdings nie statt.
Daneben sollte aber auch eine unterirdische Verbindung zwischen Fort und Tunnel de Tavannes hergestellt werden. Man arbeitete dazu von 3 Seiten aus:
- Von einer Wartungsnische im Eisenbahntunnel aus wurde ein Stollen in Richtung Fort vorangetrieben
- Ungefähr mittig zwischen Fort und Tunnel wurde ein Schacht angelegt, von dessen Boden aus in Richtung des Forts gegraben wurde
- Von der Nordcaponnière aus sollte in Richtung dieses Schachts bzw. des Tunnels gegraben werden.
Zwei dieser drei Baustellen konnten wir vor einigen Jahren verifizieren: Der Stollen vom Eisenbahntunnel aus wurde ca. 200 Meter vorangetrieben, dann wurden die Arbeiten eingestellt. Der Schacht in der Mitte existiert heute noch, ist allerdings zu einem guten Teil verfüllt.
Die Baustelle in der Nordcaponnière lässt sich in der Praxis vernünftigerweise nicht verifizieren, da ein Abstieg in den dortigen Schacht lebensgefährlich wäre, nicht zuletzt wegen der instabilen Wände.

Der folgende Plan aus dem Jahr 1927 dürfte das Ausbaukonzept unter der Nordcaponnière einigermaßen korrekt darstellen:



Legende:
1 = Nördliche Pamart-Kasematte
2 = Nördliche Schultercaponnière mit Schacht

(Quelle: Commandant Tournoux - Cours de Fortification, 3e Partie, Fortification Permanente, 3e Section “La fortification permanente pendant la guerre de 1914 – 1918”, Planches. Lithographie de l’école militaire et d’application du genie, 1927.)

Der Verbindungsstollen zwischen Fort und Eisenbahntunnel hat allerdings folgendes Problem:
Das Gleisniveau im Eisenbahntunnel liegt ca. 60 Meter unter dem Bodenniveau der Caponniere; abzüglich 24 Metern Schachttiefe bedeutet das, dass ein Verbindungsstollen einen Höhenunterschied von gut 36 Metern auf einer Distanz von 360 Metern überwinden müsste. Die Steigung in dem im Tunnel beginnenden Stollen haben wir bisher nicht ausgemessen; sie beträgt aber auf jeden Fall deutlich weniger als 10%, dürfte sogar unter 5% liegen.

Einzige andere Möglichkeit, den Höhenunterschied zu kompensieren, wäre ein zweiter, tieferer Schacht unter der Nordcaponnière, und genau damit wäre das „Schacht-im-Schacht“-Prinzip, das in der Presse beschrieben ist, plausibel. Die angegebene Tiefe von lediglich 4 – 5 Metern und das Fehlen eines Hinweises auf begonnene Stollen vom Boden des zweiten Schachtes aus würden dafür sprechen, dass auch hier die Arbeiten eingestellt wurden, bevor der Schacht die nötige Tiefe erreicht hat. Der obige Plan wäre dann an dieser Stelle falsch, die rote Linie in Richtung Eisenbahntunnel müsste dann schon vom Schacht an gestrichelt sein.

Die nachfolgende Skizze (nicht maßstabsgetreu) verdeutlicht das Schacht-im-Schacht-Konzept:



Diese Hypothese zu belegen wird nicht ganz einfach, da eine Erkundung des Schachts wiegesagt nicht in Frage kommt. Teilnehmer der Suche nach Gerald Dunnigan zu befragen dürfte wenig erfolgversprechend sein, schon alleine weil etliche zwischenzeitlich verstorben sind. Bereits 2001 stand ich in Kontakt mit besagtem Dick / Richard aus dem eingangs erwähnten Erlebnisbericht. Er scheint sich am Boden des Schachts nicht wirklich weit von der Stelle bewegt zu haben und war auch nur mit einer sehr schwachen Lampe ausgerüstet. Das einzige Detail, an das er sich lebhaft erinnerte, waren Schienen, die da unten verliefen; von einem zweiten Schacht wusste er nichts. Erneut befragen kann ich ihn leider nicht mehr; er ist 2016 gestorben.

21.4.17 17:46, kommentieren