Die Forte di San Rocco, Marina di Grosseto

Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit einer Festung, die nicht in den üblichen Scope dieser Seite (Festungsbau von 1850 bis 1918) fällt, nämlich der 1793 fertiggestellten Forte di San Rocco an der toskanischen Küste. Da sie bis 1872 militärisch genutzt wurde und außerdem eine interessante kleine Anlage ist, war sie mir eine Vorstellung wert. Die Fotos entstanden während eines Aufenthalts im Mai dieses Jahres.

Das Hinterland des heutigen Küstenabschnitts zwischen Castiglione della Pescaia und der Ombrone-Mündung war in der Antike ein See (Lacus Prelius), der mehr und mehr verlandete und schließlich zu einem malariaverseuchten Sumpf wurde, der nur spärlich besiedelt war. Auf dem Gebiet des heutigen Ortes Marina di Grosseto gab es eine kleine Anlage namens San Rocco (benannt nach dem Heiligen Rochus), die seit dem Auftreten der Pest in Marseille im Jahr 1720 einlaufende Schiffe überwachte, um die Einschleppung von Krankheiten zu verhindern.

Der habsburgische Großherzog Peter Leopold beschloss 1788, anstelle dieser Anlage ein Fort errichten zu lassen, das unter seinem Sohn Ferdinand III. 1793 fertiggestellt wurde.

Seit 1765 – zu Beginn unter Leitung von Leonardo Ximenes – wurde die Trockenlegung des Sumpfgebiets vorangetrieben; dem Fort kam außer seiner Überwachungsfunktion schnell auch die Aufgabe einer wichtigen Ausgangsbasis für die entsprechenden Arbeiten zu. Der neben der Festung verlaufende, nach 1828 angelegte Entwässerungskanal stammt noch aus dieser Phase; er ist nach der Festung benannt.



Alter Stich der Forte di San Rocco.

Nach Vollendung der Trockenlegung wurde die Forte di San Rocco einer rein militärischen Nutzung zugeführt. 1872 wurde sie zum Sitz des Zollamts, und erst in relativ neuer Zeit wandelte man sie in eine Wohnanlage um.

Da das Fort im Meer stehen sollte, errichtete man es in Backsteinbauweise auf einer Konstruktion aus Kiefernholz, bestehend aus einer Plattform und in den Boden gerammten Stützpfeilern. Es besteht aus drei Hauptelementen:
Das Hauptgebäude stellt einen rechteckigen, dreigeschossigen Turm dar, der auf seiner Ostseite durch einen von Mauern umgebenen Innenhof flankiert ist und auf der Westseite durch eine Bastion geschützt wird.



Seitenansicht der Forte di San Rocco von Norden aus.

Das Hauptgebäude war die Kommandozentrale und beherbergte die Besatzung, bestehend aus 10 bis 12 Soldaten, 2 bis 4 Kavalleristen, einem Korporal und dem Kommandanten.
Im Erdgeschoss befanden sich die Kapelle samt Sakristei, das Gefängnis und die Unterkunft der Kavalleristen.
In der ersten Etage waren die Unterkunft des Kommandanten sowie eine Schreibstube, die auch zur Lagerung von Kleinwaffen genutzt wurde.
Die Küche mit einem großen Kamin befand sich in der zweiten Etage, außerdem das Zimmer des Korporals und der Schlafsaal der Mannschaften mit 10-12 Betten.

Um den Innenhof herum waren der Stall, die Scheune, ein Holzlager, eine kleine Zisterne und die Unterkunft des Geistlichen gruppiert. An der Ostseite des Hofs befindet sich auch der Zugang zur Festung in Gestalt eines mit Travertin ausgekleideten Flachbogentors, gekrönt vom Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen.



Hofseite mit Eingang.



Wappen über dem Tor.

Die Bastion auf der westlichen, dem Meer zugewandten Seite des Forts ist mit 10 Metern Höhe ein mächtiger und eindrucksvoller Bauteil, dessen abgeschrägte Basis eine Mauerstärke von 2,60 Meter aufweist.



Bastion; die Tür wurde nachträglich eingebaut.

Das Erdgeschoss der Bastion beinhaltet eine Kasematte, einen Kellerraum und die Hauptzisterne.
Auf der ersten Etage befanden sich die Bäckerei mit Nebenräumen, die Küche des Kommandanten, ein Holzlager und die Speisekammer. Die zweite Etage besteht aus einer Terrasse für die die schwere Artillerie, einem kleinen Pulvermagazin und einer Latrine. Man findet dort auch eine Glocke an einem Bügel, die das Gussdatum 1721 eingeprägt hat und für akustische Signale verwendet wurde.



Erdgeschossplan von 1793. Die heute sichtbare Tür fehlt noch.

Heute liegt die Forte di San Rocco nicht mehr im oder am Meer, sondern in einem baumbestandenen Areal hinter dem Hafen von Marina di Grosseto. Da die Anlage, wie oben ausgeführt, mittlerweile bewohnt ist, lässt sie sich im Inneren leider nicht besichtigen.

27.10.16 18:47

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