Das Fort de la Bonnelle bei Langres

Vor dem versprochenen Blogbeitrag über die Feste von der Goltz erst noch ein Beitrag über das französische Fort de la Bonnelle bei Langres.
Wir besuchten diese Festung im Rahmen der Frühjahrsexkursion im März 2009.

Das Fort de la Bonnelle liegt in 461 m Höhe auf dem Plateau von Buzon, ca. 2,5 km südwestlich der Zitadelle von Langres, zwischen den Zwischenwerken de la Marnotte und de Brévoines.
Es stellte die Verteidigung des Plateaus sicher und gewährleistete den Schutz der Straße nach Dijon.

Mit dem Bau wurde bereits am 8. Februar 1869 begonnen. Zu Beginn des Krieges von 1870 war noch nicht fertiggestellt und wurde noch bis 1875 komplettiert. Ursprünglich war es als Fort der zweiten Linie gedacht gewesen, stellte aber bald das Hauptelement der Verteidigungsorganisation des Plateaus dar.
1884 – 1885 wurde es umfangreich modernisiert.
1886 durch den damaligen Kriegsminister Georges Boulanger nach dem Marineminister von 1802 in Fort Decrès umbenannt.

Fort de la Bonnelle ist ein Fort à Cavalier in Form eines bastionierten Trapezes. Die Vorderfront ist 320 m lang, die Seiten 230 m und die Kehlfront 380 m.
Es stellt die letzte Generation bastionierter Festungen dar, mit zweistöckigen Kasernen für 800 Mann (einschließlich 13 Offizieren und 50 Unteroffizieren) und einem großen Hof, Bastionen für die Ferngeschütze und die zur Nahverteidigung sowie Nahverteidigungseinrichtungen der Grabenböschung.
Erst im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen 1884 – 1885 wurde aus dem altmodischen bastionierten Fort ein Séré-de-Rivières-Fort. Die untere Brustwehr wurde erweitert, um die Anzahl der Geschützstellungen zu erhöhen: Im gesamten Bereich der Kurtinen wurde die Brustwehr bis auf eine Linie mit den Bastionen vorgezogen; die Zangengräben wurden mit Gewölben überdeckt. In diesen neuen Gewölben wurden unterirdische Magazine für Artillerie und Instandhaltung sowie ein Pulvermagazin (im westlichen Graben) angelegt, wodurch im Inneren des Forts mehr Platz für die Kasernierung zusätzlicher Truppen frei wurde. Zur Nahverteidigung des Frontgrabens sowie der seitlichen Gräben wurden an den vorderen Schultern Doppelkaponnieren angelegt.

Fläche des Forts: 18 ha

Bewaffnung: Im Endausbau 45 Geschütze, darunter
- 30 Wallgeschütze (u.a. 15 x 120 mm, 9 x 155 mm)
- 7 Geschütze zum indirekten Beschuß (3 Mörser, 4 x 138 mm)
- 8 Geschütze zur Flankendeckung

4 Pulvermagazine:
- 2 x 39,6 t
- 1 x 62,0 t
- 1 x 65 – 70 t

Wasserversorgung: Zisterne mit 340 m3 Fassungsvermögen, gespeist von einem 27 m tiefen Brunnen (Förderleistung 15 – 20 m3 pro Tag)

2 Latrinen

Plan des Forts:



1 Überdeckte Gräben
2 Kaserne
3 Pulvermagazine (ein weiteres in einem der überdeckten Gräben)

Heutiger Zustand: Das Verteidigungsministerium hat das Fort unlängst an die Gemeinde von Saints-Geosmes verkauft. Es kann auf Anfrage besichtigt werden. Die riesigen überwölbten Gräben, die nur in La Bonnelle vorkommen, sind sicher der eindrucksvollste Teil des Besuchs.

Der Eingang des Forts:



Eins der Pulvermagazine:



Ein überdeckter Graben:



In der rechten Doppelkaponniere:



Ein überdeckter Graben:



Backofen in einem ehemaligen Kartuschenmagazin:



Die Offiziersunterkunft:



Die Kaserne für die Mannschaften:



Obergeschoss der Mannschaftskaserne: Die Zwischendecke fehlt

Teaser: Feste von der Goltz, Metz

Die diesjährige Frühjahrs-Festungsexkursion führte uns nach Metz, wo wir einige hochinteressante Anlagen besuchen konnten, u.a. die Feste von der Goltz.

Hier zur Einstimmung ein Blick in die Generatorenhalle:



Auch wenn die Vandalismusspuren erschreckend und traurig sind, ist der Besuch dieser Räume ein einmaliges Erlebnis - fast wie in einer Zeitkapsel. Die Anlage hat definitiv ein besseres Schicksal verdient, als langsam aber sicher Verfall und Zerstörung zum Opfer zu fallen.

Mehr zu der Exkursion demnächst.

Das Werk Tre Sassi

Das ehemals österreichische Werk Tre Sassi wurde zwischen 1897 und 1901 nordöstlich des Col di Lana erbaut, um das obere Gadertal in Richtung Falzarego-Pass zu sichern.
1910 und 1911 wurde das Werk modernisiert. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte es über eine Bewaffnung von zwei 8-cm-Minimalschartenkanonen M 98, zwei 6-cm-Minimalschartenkanonen M 98 und vier Maschinengewehren. Es bot Unterkunft für 2 Offiziere, 2 Unteroffiziere und 50 Mann.
Am 5.7.1915 wurde Tre Sassi mit schwerer Artillerie unbrauchbar geschossen und in Folge evakuiert.
Heute befindet sich in der Festung ein Museum über den Ersten Weltkrieg.
Die folgenden Aufnahmen entstanden im April 2006:



Tre Sassi von Nordwesten



Das Werk aus Richtung Südosten



Fast die gleiche Ansicht, Aufnahmedatum leider unbekannt (1. Wk.?)
(Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Wien)

Nachtrag zur Batterie Rolland

Hier noch ein Plan der Batterie:

Die Batterie Rolland bei Besançon

Die Anlage, südlich von Besançon in der Nähe des Ortes Arguel gelegen, entstand zwischen 1874 und 1878 aus einer Redoute des Krieges 1870/71. Sie verdankt ihren Namen dem Gouverneur von Besancon während dieser Zeit; unter dem Boulanger-Dekret behielt sie ihren Namen bei.

Ihre Aufgabe bestand in der Verteidigung der linken Flussseite:
- Verlängerung der Feuerlinie Montfaucon – Fort de L’Est des Buis – Fort de Fontain um 2,5 km in Richtung Südwesten
- Flankendeckung der Linie Fontain - Trou-au-Loup, besonders wirksam durch die günstige Position auf einem Höhenrücken
- Störung feindlicher Truppenbewegungen auf der vom Jura herabführenden Marschroute Ornans - Pugey

Es handelt sich um ein Zwischenwerk für 74 Mann Besatzung und 17 Geschütze:
- 5 Geschütze 138 mm
- 3 Feldkanonen Modell 4 mit Kugellauf
- 3 Belagerungskanonen Modell 24 mit Kugellauf
- 1 Marinekanone Modell 22c mit Kugellauf
- 3 Mörser Modell 27c
- 2 Mörser Modell 22c
-
Die Werkskehle hat keinen Graben; die Frontgräben sind durch eine kleine Kaponniere und durch einen Grabenkoffer geschützt.
Das Werk weist 4 Traversenunterstände, 6 Artillerieplattformen und eine Pulverkammer auf sowie einen kleinen Kasernentrakt mit 2 Etagen. Die Kasernenräume wurden in eine Felswand eingelassen, so dass sie links und rechts von Fels geschützt sind.

Die Magazine erlaubten eine Bevorratung mit 27 Tonnen Pulver, 476.000 Kartuschen und Lebensmittel für 6 Monate. Es existiert eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 132 Kubikmetern, gespeist von einer eigenen Quelle mit einem Tagesvolumen von 300 Litern Wasser.

Weitere Objekte in der Umgebung: Unmittelbar im Nordosten befindet sich eine Anschlussbatterie; ein Stück weiter weg am Zufahrtsweg aus Richtung Fontain liegen fünf Unterstände unter Fels („abri sous roc“) mit einer außenliegenden 76-stufigen Treppe, die zu einer Infanterielienie auf dem Kamm führt. Ein Teil der Treppe wurde bei den Winterstürmen 2005 / 2006 zerstört.

Heutiger Zustand: Die Anlage ist stark von Vegetation überwuchert und verfällt mehr und mehr, ist aber dennoch ein höchst interessantes Besichtigungsobjekt - für mich persönlich das interessanteste überhaupt.



Zugang zum Werk; am Wachlokal




In der Kaserne




Kasernenhof




Die Pulverkammer




Vorraum und Tür zur Pulverkammer




Wallgasse mit Traversenunterständen




Raum unter Wasser




Kasernenraum mit fehlender Zwischendecke

Die Batterie Rolland bei Besancon

Heute nur ein Festungsfoto ohne viel Text. Es wurde 2010 im Inneren der Batterie Rolland aufgenommen, meiner Lieblingsfestung bei Besancon.
Mehr zu diesem Werk in Kürze.

Louis le Beschu de Champsavin

... so der Name des unglücklichen Festungskommandanten des Forts de Tavannes, der im Dezember 1916 in Nantes an den Folgen einer Gasvergiftung starb.
Es ist mir leider noch nicht gelungen, ein Porträtfoto von ihm zu finden, aber dieses Foto zeigt ihn auf seinem Pferd Terpsichore beim Jagdspringen während der Olympischen Sommerspiele 1900 in Paris, wo er eine Bronzemedaille holte (850-Meter-Parcours mit 21 Hindernissen in 2:26,0 min).